Die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)

Viele Siegelinitiativen orientieren sich an den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation, kurz IAO.

Die IAO beschäftigt sich seit ihrem Gründungsjahr 1919  in erster Linie mit der Ausarbeitung sozialer Normen.[1] Sie ist eine Sonderorganisation der Vereinigten Nationen. Die Organe der IAO sind Regierungsvertreter der Mitgliedsstaaten sowie Arbeitnehmer und Arbeitgeber Vertreter. Das Elementare Ziel ist es zu verhindern, dass sich einzelne Teilnehmer am internationalen Handel Vorteile verschaffen, indem sie Arbeitnehmerrechte abbauen und so die Arbeitsbedingungen verschlechtern. Um das durchzusetzen, wurden Arbeitsnormen festgelegt. Eine Auswahl aus diesen beschreiben die acht Kernarbeitsnormen. Sie haben die Form von acht Übereinkommen:[2]

Übereinkommen 87 – Vereinigungsfreiheit und Schutz des Vereinigungsrechtes, 1948

Übereinkommen 98 – Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen, 1949

Übereinkommen 29 – Zwangsarbeit, 1930

Übereinkommen 105 – Abschaffung der Zwangsarbeit, 1957

Übereinkommen 100 – Gleichheit des Entgeltes, 1951

Übereinkommen 111 – Diskriminierung (Beschäftigung und Beruf) 1958

Übereinkommen 138 – Mindestalter, 1973

Übereinkommen 182 – Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Form von Kinderarbeit, 1999 [3]

 

Durch die Kernarbeitsnormen sollen menschenwürdige Arbeitsbedingungen gegeben werden, wie auch hinreichender Schutz der Arbeiter. Für die Durchsetzung sind jedoch nur die Mitglieder der IAO verpflichtet. Öffentliche Auftraggeber sind nicht verpflichtet die Missachtung der Kernarbeitsnormen durch private Unternehmen zu sanktionieren.[4] Hier ist erkennbar, dass das Problem nicht in der Definition materieller Normen liegt. Es befindet sich in der Festlegung prozeduraler Normen, die sich auf die Aushandlungen und auch auf die Überprüfung der Einhaltung dieser Normen bezieht. Verfahren der Evaluation und die Überwachung von getroffenen Vereinbarungen müssen also festgelegt werden.[5] Diesem Zweck sollen Zertifizierungen und Labels durch das Monitoring gerecht werden.

KBom

[1] Maul, Daniel (Hrsg.): Menschenrechte, Sozialpolitik und Dekolonialisierung. Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) 1940-1970. Klartext Verlag. Essen: 2007, 14 ff.

 

[2] vgl. GIZ GmbH – Servicestellen Kommunen in der einen Welt (Hrsg.): Faires Beschaffungswesen in Kommunen und die Kernarbeitsnormen: Rechtswissenschaftliches Gutachten2011 Nr. 24. Bonn: 2011, S. 13

[3] www.ilo.org/public/eurpro/bonn/kernarbeitsnormen/index.htm 10.02.2012

[4] vgl. GIZ GmbH – Servicestellen Kommunen in der einen Welt (Hrsg.): Faires Beschaffungswesen in Kommunen und die Kernarbeitsnormen: Rechtswissenschaftliches Gutachten2011 Nr. 24. Bonn: 2011, S. 13

[5] vgl. Pries, Ludger: Erwerbsregulierung in einer globalisierten Welt. VS Wiesbaden:2010, S.222