Fairer Handel – wie fair?

Angefangen hat der der Faire Handel in den 1970er Jahren mit der Initiative „Aktion Dritte-Welt-Handel“ der katholischen und evangelischen Jugendverbände. In den 1980ern wird die „Aktion Dritte-Welt-Handel“ in „Alternativer Handel“ umbenannt, in den 1990ern schließlich in Fairer Handel“. Damit geht eine Schärfung des Profils einher. Nach und nach rücken wirtschaftliche Dimensionen in den Vordergrund. Der „Alternative Handel“ wendet sich gegen die Welthandelsstrukturen á la wir wollen billig, koste es, was es wolle. Der Faire Handel setzt sich für einen Markt ein, der Produkte anbietet, die unter fairen Bedingungen sowie zu gerechten Preisen hergestellt werden.

Zunächst stehen zwei große Ziele im Vordergrund.

– ein Warenverkauf fair gehandelter Produkte

– Bildungsarbeit für die Konsumenten für verstärkte Wahrnehmen auf die Auswirkungen des Konsums.

Faire Handel findet inzwischen großen Anklang und es hat sich das  bekannte, unabhängige und inzwischen internationale Produktsiegel “Fair Trade” umfassend aufgestellt. Fair gehandelte Produkte finden sich in Drogerien, Supermärkten und sogar Discountketten. Verschiedene Organisationen betreiben öffentlichkeitswirksame Kampagnen, die sich mal verstärkt auf den fairen Konsum, oder aber auf hintergründige Zusammenhänge konzentrieren.

Der Faire Handel arbeitet vorrangig mit national und international benachteiligten Kleinproduzenten zusammen. Falsch ist hier die Annahme, dass der faire Mehrpreis als direkte Einkommensverbesserung dient. Die Verwendung der Mehrpreiszahlung über Selbstorganisationen, zusammen mit den betrieblichen Mitbestimmungsorganen, wird partizipativ  entschieden. So kann das Geld auch bspw. in den Bau einer Lagerhalle fließen oder in neue Transportwagen, die eine bessere Teilnahme am Markt bedingen und so langfristig mehr Gewinn erzeugen.

Für die Vergabe von Fair-Handels-Gütesiegeln sind Mindestpreise festgelegt, die sich am Produkt und zum Teil am Gebiet ausrichten. Grundsätzlich gehört zum Fairen Handel auch eine transparente Preiszusammensetzung, also eine Offenlegung der Kalkulation, wie Bezahlung der Mitglieder, Transport und Verschiffung. Des Weiteren haben Fair-Handel-Unternehmen auch beratende Funktionen zur Verbesserung der Produktqualität oder bezüglich der Entwicklung von marktfähigen Produkten.

Nahezu ein Drittel der bestehenden Siegelorganisationen beziehen sich auf die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO). und basieren damit auf Grundprinzipien:

  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen
  • Beseitigung der Zwangsarbeit
  • Abschaffung der Kinderarbeit
  • Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf

Ein Fairer Handel nach diesen Prinzipien ist nicht die Normalität. Aber wir können uns durch unser Konsumverhalten dafür einsetzen, dass es Normalität wird.

 

KBom