Faire und unfaire Kleidung – wo fing es an?

Die Welt rückt zusammen. Erst die Eisenbahn, dann ein Auto für jeden (oder zwei oder drei … wer kann der kann…). Mittlerweile fliegen wir für 20 Euro von Deutschland nach Marrakesch. Distanzen sind keine Hindernisse mehr. Optimal um auch ungeliebte Arbeit weit, weit weg erledigen zu lassen. Nur ist die Arbeit an sich nicht ungeliebt. Es sind die Bedingungen, unter denen sie erledigt werden muss. Vorrangig billig. Wir wissen es und wir konsumieren danach. Die einen betreiben eskalativen Massenkonsum. Weil sie es können. Die anderen kaufen bewusst fair und damit meist auch weniger.

Wie kam es dazu, dass wir zwischen fairer und unfairer Kleidung unterscheiden?

 

Globalisierung und Handel

In den 70er Jahren werden internationale Abkommen geschlossen, die zu einem Abbau von Zutrittsbarrieren zu Märkten anderer Länder führen. Damit entstand ein schneller, globaler Handel. Ein weiterer Schritt in Richtung ‘wir rücken alle etwas näher zusammen’ also Globalisierung.[1] Das heißt:

– sich ausweitende internationale Verflechtung in Wirtschaftsbeziehungen durch die Ausweitung von Handelsbeziehungen

– die Zunahme ausländischer Direktinvestitionen

– das Vorherrschen international Arbeitsteiliger Wertschöpfungsketten

– die globale Vernetzung von Finanzmärkten.“[2]

Im 19. Jahrhundert entstanden erste Diskussionen um Sozialstandards.[3] Ein kleiner Teil der Weltbevölkerung, die modernen Wohlfahrtsstaaten – wir – , haben nach dem Prinzip des wachsenden Kuchens gehandelt. Jeder bekommt ein immer größeres Stück, unabhängig davon wie klein der köstliche Kuchen anfangs war.[4] Die geographische Lage einzelner Staaten bringen Standortvorteile, die eine solche Entwicklung zulassen. Der Abbau der Zutrittsbarrieren, also die damit einhergehende Liberalisierung des Handels, kann als „Einbettung“ der nationalen Volkswirtschaft verstanden werden. Das Ergebnis ist schließlich die Zunahme des internationalen Wettbewerbdrucks.[5]

Der Kostendruck auf die Unternehmen steigt, gleichzeitig steigen die Möglichkeiten die Produktionsstätten zu verlagern. Begünstigt durch die ständig zunehmende internationale Arbeitsteilung werden nun auch die Produktionsstätten in Entwicklungsländer verlagert. Damit werden die Arbeitskräfte dort eingekauft, wo höchste Leistung zum kleinsten Preis geboten wird[6]. Nach dem Motto: “Wir wollen billig. Koste es was es wolle.”

Es kommt zu einem immer größeren Ungleichgewicht zwischen Industriestaaten und Dritte Welt Ländern, denn wo auf der einen Seite das größte mögliche Kapital angehäuft werden soll, muss an einer anderen Stelle eingespart werden. Die Leidtragenden sind schließlich diejenigen mit dem ohnehin schon geringsten Kapital, die Produzenten in der Dritten Welt.  Kurz gesagt, die Weltwirtschaftsbedingungen ergeben, dass die Reichen reicher werden und die Armen ärmer.

Dieser Ausbeutung soll der Faire Handel entgegenwirken.

 

Manche Unternehmen und Modemarken versuchen dieses Ungleichgewicht zu relativieren, indem sie sich beispielsweise an den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation orientieren, faire Löhne zahlen oder Schulen für die Kinder der Angestellten finanzieren.

Damit wir als Konsumenten eine Ahnung bekommen, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung hergestellt wurde, werden faire Marken mit einem Siegel versehen. Das Siegel soll uns signalisieren – hier keine Kinderarbeit –  oder – wir zahlen faire Löhne -…

Doch wie groß die Wirkkraft des fairen Handels ist, liegt in der Masse und die bestimmen wir als Käufer. Entscheidet sich am Ende jeder für den ultimativen “Schnapper” und gegen faireWare, werden sich faire Labels nicht halten können und nach und nach vom Markt verschwinden.

Der Trend allerdings geht in die andere Richtung. We Wear Fair.

KBom

 

Foto: Dominik Scharf – www.dominik-scharf.de

[1] vgl. Joas, Hans (Hrsg.): Lehrbuch der Soziologie. 3.üb. u. erw. Aufl. Campusverlag GmbH. Frankfurt a.M. 2007, S. 476

[2] ebd.

[3] Vgl. Memmen, Niels (Hrsg.): Implementationsmöglichkeiten von Sozialstandards in die Welthandelsorganisation. BIS-Verlag. Oldenburg: 2004 S.16

[4] Vgl. Münch, Richard: Globale Dynamik, lokale Lebenswelten. Der schwierige Weg in die Weltgesellschaft. 2. Aufl. Suhrkamp. Frankfurt a.M.: 1998, S. 169

[5] vgl. Joas, Hans (Hrsg.): Lehrbuch der Soziologie. 3.üb. u. erw. Aufl. Campusverlag GmbH. Frankfurt a.M. 2007, S. 476

[6] Vgl. Münch, Richard: Globale Dynamik, lokale Lebenswelten. Der schwierige Weg in die Weltgesellschaft. 2. Aufl. Suhrkamp. Frankfurt a.M.: 1998, S. 183