Stoffe und Arbeitsmaterialien

Ein Trainingscenter für angehende selbstständige Näherinnen benötigt Arbeitsmaterialien. Stoffe zum verarbeiten von Musterstücken, Nähmaschinen und sonstige Betriebsmittel müssen gefunden werden. Da die Infrastruktur in Kenia in keinster Weise europäischen Gegebenheiten gleicht, ist es hier schon ein wenig aufwendiger Läden aufzutreiben, die z.B. Stoffe führen, die auch in Deutschland ankommen (KenianerInnen mögen besonders knallige Farben).
In Ukunda selber ist die Auswahl sehr begrenzt. Also machen wir uns mit Julian, einem deutschen Volunteer an der Schule auf den Weg nach Mombasa um auf dem lokalen Stoffmarkt einen Partner zu finden, der entsprechende Materialien im Angebot hat.

Nachdem wir mit der Fähre übergesetzt sind und uns einen Weg durch die engen Gassen gebahnt haben, fanden wir uns wieder in noch engeren Gassen, die vor bunten Stoffen nur so strotzten. An jeder Ecke wird man von den Händlern mit Versprechen wie “Local price for you my friend!” gelockt. Nachdem aber bereits in Ukunda einen “local price” um weitere 500 Schilling (ca. 4,40 Euro) herunterhandeln konnte, falle ich darauf nicht mehr herein.

Der erste Ladenbesitzer hat uns eine Stoffbahn für 9000 Schilling angeboten. Als wir ein wenig gehandelt haben waren wir am Ende bei einem Preis von 10000 Schilling für vier (!) Stoffbahnen. Ein guter Preis eigentlich, aber wir wollen noch weitere Läden aufsuchen und uns ein besseres Bild zu machen.

Noch weiter im Getümmel finden wir einen Laden bzw. ein Zusammenschluss aus mehreren Läden, die eine sehr grosse Auswahl an Stoffen hatten. Ein gut gekleideter Mann stellt sich als Chef vor. Er wittert ein gutes Geschäft mit den Europäern. Er berät uns wirklich gut. Zeigt uns die Stoffe und erklärt uns das Material. Parallel fährt er immer wieder seine Angestellten an und schickt sie herum, damit sie neue Proben aus dem Lager holen.

Als wir uns eine kleine Auswahl getroffen haben, läd er uns ein hinten in seinen Laden zu gehen um über die Preise zu sprechen. Ich beginne derweil schon vorsichtshalber mein desinteressiertes Gesicht zu üben (Die Basis für erfolgreiches Handeln). Der erste Preis wird wie immer mit Gelächter abgewunken. “Wir zahlen dir die Hälfte.”, sage ich. Mein Vorschlag wird wiederum von ihm mit Gelächter abgewunken. War zu erwarten. Er holt einen Taschenrechner und wir tippen uns gegenseitig die für uns annehmbaren Preise ein und zeigen sie uns gegenseitig. Das ganze nimmt einige Zeit in Anspruch. Nachdem wir den Preis für eine Stoffbahn so niedrig wie möglich heruntergehandelt haben, ging es darum einen Mengenrabatt auszuhandeln. “You guys are good bargainers.”, attestierte er uns. Keine Ahnung ob es stimmt, aber es macht uns ein wenig stolz.

Endlich haben wir uns auf einen Preis geignet. Doch wir wollen die Stoffe nicht sofort mitnehmen (sicher ist sicher). Jetzt ist der Ladenbesitzer beleidigt. Winkt ab und verlässt fluchend den Raum. “Time is money. And you are stealing my time!”. Von seinem anfänglichen Ärger ist nichts mehr zu spüren als wir im Nachhinein tatsächlich wieder auf der Matte stehen, um die Stoffe zu kaufen. “I knew you guys will come back for business.”, grinst er. Als nächstes heisst es nun die Stoffe zu Mustern zu verarbeiten, damit wir in Deutschland etwas vorweisen können, wenn es darum geht Vertriebspartner in Deutschland zu finden. (dan)